22. November 2010: Online-Premieren - Premieren allgemein - haben immer eine besondere Wirkung auf mich. Zum ersten Mal stellt man das Ergebnis monate- oder gar jahrelanger Arbeit einem Publikum vor, dass mal mehr, mal weniger rücksichtsvoll urteilt. Man kann als Künstler eine Menge lernen bei solchen Gelegenheiten. Hier dazu Frau Helga P. Schubert auf ihrem Weblog: "Gestern fand nun die Online-Premiere des Hörspiels „Der Schweif des Diabolus“ auf www.hörspieltalk.de statt. Zeitgleich dazu gab es einen Chat, in dem sich Interessierte versammelt hatten. Positiv fand ich, dass die Musik, die übrigens hervorragend zum Hörspiel gepasst hatte, unaufdringlich war. Man hat sie zwar vernommen, doch eher als schwache Geräuschkulisse, die niemals die Sprache übertönte. Der Sound gefiel den anderen übrigens auch, ebenfalls die Stimmen. Einige Leute haben lange im Chat ausgehalten, was mich sehr gefreut hat. Ich fand, mein Hörspielmanuskript wurde von den Leuten, die damit zu tun hatten, bestens umgesetzt. Es ist ein tolles Stück geworden!"
Als Produzent freut es mich natürlich sehr, dass gerade die Autorin mit dem Ergebnis zufrieden ist. Wenn jemand kritisch ist, dann der- oder diejenige, der/die sich die Geschichte ausgedacht hat und zuerst mit den Figuren und ihren Problemen vertraut war.
Der Schweif des Diabolus ist generell ein anspruchsvolles Stück. Anspruchsvoll, da es die ganze Aufmerksamkeit des Hörers fordert. Man muss sich auf die Geschichte einlassen. "Nebenbei" bügeln oder Staubwischen ist also nicht erlaubt. Im Übrigen finde ich immer noch, dass es eine bodenlose Frechheit ist, Hörbücher (auch Hörspiele) mit dem Slogan zu bewerben "Verdoppeln Sie Ihre Zeit!". Eine Respektlosigkeit gegenüber den Künstlern, die das jeweilige Hörbuch oder Hörspiel gemacht haben. Aber, das nur am Rande.
Dennoch muss man zugestehen, dass der unvorbereitete Hörer sich vielleicht nicht sofort in der Zukunftswelt von Der Schweif des Diabolus zuhause fühlt. Hier könnte ein klassischer Prolog, der in die Geschichte einführt, Abhilfe schaffen. Alternativ könnte der Hörer natürlich auch den Klappentext der CD lesen... aber wir befinden uns in einem Hörmedium, dass auch für sich allein funktionieren muss. Außerdem soll es Leute geben, die gar keine CDs mehr kaufen, sondern lieber zum legalen mp3-Download greifen. Dann liegt die Datei ggf. ein paar Tage auf dem Player herum, bevor man sich das Hörspiel anhören kann und hat längst vergessen, worum es geht.
Ich bin mit dem Hörspiel rundum zufrieden und mit einer kleinen Verbesserung kann es in die Welt entlassen werden. Ein positiver "Nebeneffekt" von Online-Premieren ist die Erkenntnis, dass das, was gut ist, noch besser werden kann.


2 Kommentare:
Hallo, was heißt das, dass der Download von "Der Schweif des Diabolus" etwas später erscheint? Wann genau? Sowas muss zusammen mit der CD veröffentlicht werden, sonst treibt man die Leute zu illegalen Downloads
Hallo K.Fromme, die Downloadanbieter, mit denen wir Verträge haben (u.a. audible, iTunes, libri.de), benötigen i.d.R. 1-2 Wochen, bevor die Downloads online sind. Es geht leider erst, nachdem die CD im Handel ist. Nach unseren Erfahrungen überschneiden sich "Download-Kunden" und "CD-Kunden" allerdings kaum. Es ist daher eher eine "Einstellungssache", ob man illegal an mp3s kommen möchte oder nicht. Aktuell wird in der Branche über ein Zeitfenster - vergleichbar mit dem bei Spielfilmen - für die verschiedenen Auswertungsformen diskutiert. Es könnte also sein, dass Downloads zukünftig generell erst (deutlich) später als die CD angeboten werden. Das ist zwar nicht unbedingt mein Wunsch, aber sollte sich dieser Trend innerhalb der Branche durchsetzen, hätte ich als kleiner Anbieter kaum eine Möglichkeit, mich dieser Regelung zu entziehen (Freiwillige Selbstverpflichtung).
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